ZEITZEUGINNEN NOVEMBER 1938

Sie finden Interviewsequenzen mit den folgenden Personen im Audioguide November 1938.

Walter Shaffir
Walter Shaffir wurde als Walter Schäfer in Wien geboren. Er wächst gemeinsam mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder auf der Taborstraße auf und besucht das Sperlgymnasium im Zweiten Bezirk. Nach der Bar Mitzwa wird er von der Religion „desillusioniert“ und bekennt sich heute als Atheist. Nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich, ein Jahr vor der Matura, muss er die Schule verlassen. Flucht in die USA. Lebt 2008 in New York City.

Interviewt von Philipp Haydn und Maria Ecker in New York, September 2007.


Leo Glückselig
Leo Glückselig ist 1914 in Wien geboren und in der Leopoldstadt aufgewachsen.
Sein Architekturstudium durfte er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten aus „rassischen“ Gründen nicht beenden. Nach dem „Anschluss“ wird Leo eines Tages in einen Wagen gezerrt und gezwungen, eine Fabrikshalle auszumalen. Im Zuge des Novemberpogroms werden Leos Vater, der Bruder Fritz, und er verhaftet, und u.a. in der Karajangasse inhaftiert. Nach deren Entlassung gelingt Fritz und Leo die Flucht in die USA, die Eltern kommen später nach. Nach Kriegsende trifft er in New York seine Wiener Jugendliebe Ita wieder, die er wenig später heiratet. Sie haben eine Tochter. Leo arbeitet als freiberuflicher Zeichner und Illustrator. Amerika sei zwar sein Zuhause geworden, „aber Heimat ist für immer und ewig dieses verdammte Österreich geblieben.“ 2003 ist er in New York verstorben.

Mehr über Leo Glückselig:
„Gottlob kein Held und Heiliger“ – Ein Wiener „Jew-Boy“ in New York. Hg. Von Daniela Ellmauer und Albert Lichtblau. Wien, 1999.

Interviewt von Albert Lichtblau und Astrid Früh in New York, Mai 1996.


Marko Feingold

Marko Feingold wurde 1913 geboren, und ist in der Wiener Leopoldstadt aufgewachsen. Er absolviert eine Lehre als kaufmännischer Angestellter, und unternimmt gemeinsam mit seinem Bruder Ernst Reisen nach Italien. 1938 wird er in Wien verhaftet, nach seiner Freilassung flüchtet er nach Prag. Von dort wird er nach Polen ausgewiesen, er kehrt aber mit falschen Papieren nach Prag zurück. 1939 wird Feingold dort wieder festgenommen, in das Vernichtungslager Auschwitz, und von dort aus in mehrere weitere Konzentrationslager verschleppt. Die Befreiung erlebt er 1945 im KZ Buchenwald. Nach dem Krieg lässt er sich in Salzburg nieder, wo er auch 2008 lebt. Er ist der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, und als Zeitzeuge in Schulen tätig. Marko Feingold ist außerdem der Vorsitzende des „Freundeskreises des Zentrums für jüdische Kulturgeschichte.“

Interviewt von Philipp Haydn und Maria Ecker in Wien, März 2008.

Mehr über Marko Feingold
Marko M. Feingold: Wer einmal gestorben ist, dem tut nichts mehr weh. Eine Überlebensgeschichte. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Birgit Kirchmayr und Albert Lichtblau. Wien, 2000.