ZEITZEUGINNEN MORZINPLATZ

Sie finden Interviewsequenzen mit den folgenden Personen im Audioguide Morzinplatz.

Augusta Appel
Geboren 1915 als Augusta Marienberg, aufgewachsen im 17. Wiener Gemeindebezirk. Augusta Appel tritt früh dem jüdischen Sport-Verein Hakoah bei. Sie lernt ihren späteren Mann, Leon Apfelschnitt, bei einem Ball im Hotel Metropole kennen. Sie flüchtet vor den Nationalsozialisten erst nach London, danach in die USA. Sie lebt heute in Plantation, Florida.

Interviewt von Philipp Haydn in Plantation, Florida, Jänner 2008


Marko Feingold
Marko Feingold wurde 1913 geboren, und ist in der Wiener Leopoldstadt aufgewachsen. Er absolviert eine Lehre als kaufmännischer Angestellter, und unternimmt gemeinsam mit seinem Bruder Ernst Reisen nach Italien. 1938 wird er in Wien verhaftet, nach seiner Freilassung flüchtet er nach Prag. Von dort wird er nach Polen ausgewiesen, er kehrt aber mit falschen Papieren nach Prag zurück. 1939 wird Feingold dort wieder festgenommen, in das Vernichtungslager Auschwitz, und von dort aus in mehrere weitere Konzentrationslager verschleppt. Die Befreiung erlebt er 1945 im KZ Buchenwald. Nach dem Krieg lässt er sich in Salzburg nieder, wo er auch 2008 lebt. Er ist der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, und als Zeitzeuge in Schulen tätig. Marko Feingold ist außerdem der Vorsitzende des „Freundeskreises des Zentrums für jüdische Kulturgeschichte.“

Interviewt von Philipp Haydn und Maria Ecker in Wien, März 2008.

Mehr über Marko Feingold
Marko M. Feingold: Wer einmal gestorben ist, dem tut nichts mehr weh. Eine Überlebensgeschichte. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Birgit Kirchmayr und Albert Lichtblau. Wien, 2000.


Gertrud Nachtigall Kissiloff
Gertrud Kissiloff ist 1923 als Gertrud Nachtigall geboren, und in einem sehr religiösen, koscheren Haushalt in der Leopoldstadt aufgewachsen. Die Familie besucht regelmäßig die Synagoge. Nach dem „Anschluss“ wird ihre Wohnung – unter tatkräftiger Unterstützung des Hausmeisters - mehrmals geplündert. Der Vater wird gezwungen, vor dem Haus den Gehsteig zu reiben. Gertrud und ihre Mutter werden kurzzeitig verhaftet und die Polizeistation in der Leopoldgasse gebracht, weil der Vater nicht auffindbar ist. Während des Novemberpogroms werden der Vater und der Onkel auf der Straße festgenommen und in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Gertrud geht zum Gestapo-Hauptquartier am Morzinplatz und bittet um die Freilassung ihres Vaters. Im März 1939 flüchtet sie mit einem Kindertransport nach England, später emigriert die Familie Nachtigall in die USA. Dort muss Gertrud, statt zur Schule zu gehen, arbeiten, um die Familie finanziell zu unterstützen. Abends besucht sie das College und macht eine Ausbildung in „Industrial Design“. Gertrud Nachtigall hat einen Sohn, 2008 lebt sie mit ihrem Mann William Kissiloff in New York City.

Interviewt von Philipp Haydn und Maria Ecker in New York, September 2007.