ZEITZEUGINNEN MÄRZ 1938

Morzinplatz

Sie finden Interviewsequenzen mit den folgenden Personen im Audioguide März 1938

Walter Shaffir
Walter Shaffir wurde als Walter Schäfer in Wien geboren. Er wächst gemeinsam mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder auf der Taborstraße auf und besucht das Sperlgymnasium im Zweiten Bezirk. Nach der Bar Mitzwa wird er von der Religion „desillusioniert“ und bekennt sich heute als Atheist. Nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich, ein Jahr vor der Matura, muss er die Schule verlassen. Flucht in die USA. Lebt 2008 in New York City.

Interviewt von Philipp Haydn und Maria Ecker in New York, September 2007.


George Stein
George Stein wurde 1923 in Budapest geboren. Im Alter von 9 Monaten zog er mit seinen Eltern nach Wien und ist dann erst im 18. und dann im 19. Wiener Gemeindebezirk aufgewachsen. Er besucht die Handelsakademie, sein Vater war Weinhändler. Im Oktober 1938 zunächst Flucht nach Ungarn, dann im März 1940 in die USA. In den USA war er Mitglied der Free Austrian Youth und des Freedom Clubs. George Stein ist verheiratet mit Liesel Carol Stein und lebt in New York City.

Interviewt von Philipp Haydn und Maria Ecker in New York, September 2007.


Gertrude Stevens
Gertrude Stevens ist 1928 als Gertrude Hoffmann in Wien geboren, und im 13. Wiener Gemeindebezirk aufgewachsen. Religion spielt in ihrer Kindheit kaum eine Rolle, die Eltern feiern sowohl Chanukka als auch Weihnachten. Gertrud und ihr kleiner Bruder Rudy wachsen in beschützten Verhältnissen auf, weshalb der „Anschluss“ im März 1938 für sie völlig unvermittelt kommt. Ihr Leben verändert sich von Grund auf. In der Schule wird sie wegen ihrer jüdischen Herkunft ausgegrenzt, ihr Alltag ist von Angst bestimmt. Sie erinnert sich, dass sie eines Tages auf dem Weg nach Hause eine Synagoge brennen sah, sowie an Schaulustige und deren „hasserfüllte Gesichter.“ Ihr Vater wird verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt, im Februar 1939 kommt er frei. Im März 1939 flüchtet die Familie über die Tschechoslowakei und Frankreich in die USA. Kurz nach der Ankunft wechseln sie aufgrund des Wunsches des Vaters die Religion und werden protestantisch, aus Angst vor weiterer Verfolgung. Sie lassen sich in Chicago nieder, Gertrude Stevens wird Volksschullehrerin. 1948 heiratet sie Gustav Schwarz, sie haben zwei Söhne. 2008 lebt Gertrude Stevens in Florida.

Interviewt von Philipp Haydn in Florida, Jänner 2008.


Marko Feingold
Marko Feingold wurde 1913 geboren, und ist in der Wiener Leopoldstadt aufgewachsen. Er absolviert eine Lehre als kaufmännischer Angestellter, und unternimmt gemeinsam mit seinem Bruder Ernst Reisen nach Italien. 1938 wird er in Wien verhaftet, nach seiner Freilassung flüchtet er nach Prag. Von dort wird er nach Polen ausgewiesen, er kehrt aber mit falschen Papieren nach Prag zurück. 1939 wird Feingold dort wieder festgenommen, in das Vernichtungslager Auschwitz, und von dort aus in mehrere weitere Konzentrationslager verschleppt. Die Befreiung erlebt er 1945 im KZ Buchenwald. Nach dem Krieg lässt er sich in Salzburg nieder, wo er auch 2008 lebt. Er ist der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, und als Zeitzeuge in Schulen tätig. Marko Feingold ist außerdem der Vorsitzende des „Freundeskreises des Zentrums für jüdische Kulturgeschichte.“

Interviewt von Philipp Haydn und Maria Ecker in Wien, März 2008.

Mehr über Marko Feingold
Marko M. Feingold: Wer einmal gestorben ist, dem tut nichts mehr weh. Eine Überlebensgeschichte. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Birgit Kirchmayr und Albert Lichtblau. Wien, 2000.


Alfred Leitner
Alfred Leitner ist in der Weihburgergasse aufgewachsen und flüchtete vor den Nationalsozialisten in die USA. Seine Familie väterlicherseits war jüdisch orthodox, aber Alfred wandte sich der Religion früh ab und vertiefte sich in seine Studien während der Gymnasialzeit. Er konnte jedoch die 7. Klasse wegen des Anschlusses nicht abschließen. Ein Onkel nimmt ihn in die USA auf, im Dezember 1938. Der Grossteil der Wiener Familie kann in die USA oder Palestina flüchten, jedoch wurden viele des ungarischen Teils der weiteren Familie ermordet. Alfred Leitner arbeitete als Physikprofessor in den USA und lebt heute in Naples, Florida, USA.

Interviewt von Philipp Haydn in Naples, Florida, Jänner 2008