ZEITZEUGINNEN BRIGITTENAU

Sie finden Interviewsequenzen mit den folgenden Personen im Audioguide Brigittenau

Kurt Rosenkranz
Kurt Rosenkranz ist 1927 geboren und in der Brigittenau in ärmlichen Verhältnissen in einem orthodoxen Elternhaus aufgewachsen. Die Eltern bzw. Großeltern sind aus Osteuropa zugewandert. Mit 9 Jahren wird er Chorknabe im Bethaus in der Kaschlgasse. Nach dem „Anschluss“ beobachtet Kurt eine Reihe von Ausschreitungen und Demütigungen gegen Jüdinnen und Juden. Die Familie flüchtet nach Riga, Rosenkranz überlebt mehrere sowjetische Gefangenenlager. Ein Großteil seiner erweiterten Familie wird im Holocaust ermordet. 1946 kehrt Rosenkranz nach Wien zurück und heiratet bald darauf. Er ist der Gründer des Jüdischen Institutes für Erwachsenenbildung. 2008 lebt Kurt Rosenkranz in Wien.

Interviewt von Maria Ecker in Wien, Juli 2008.

Mehr über Kurt Rosenkranz:
http://www.erinnern.at/das-vermaechtnis/videos-zeitzeuginnen/kurt-rosenkranz (DVD „Das Vermächtnis. Verfolgung, Vertreibung und Widerstand im Nationalsozialismus, hg. Von erinnern.at)


Anne Blatt

Anne Blatt wurde 1928 geboren und ist in der Brigittenau in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Den Großteil ihrer Kindheit verbringt sie bei der verwitweten Großmutter, die nur unweit von ihrem Elternhaus entfernt liegt. Nach dem „Anschluss“ kommt es immer wieder zu antisemitischen Beschimpfungen von KlassenkameradInnen, eines Nachts dringen Nationalsozialisten in die Wohnung ein. In der Hoffnung, später nachzukommen, organisieren die Eltern für Anne die Flucht in die USA. Seit 1939 lebt sie in New York City. Dort absolvierte sie eine Ausbildung als Bibliothekarin, und war viele Jahre als solche tätig. Die Eltern und ihr jüngerer Bruder wurden von den Nationalsozialisten ermordet.

Interviewt von Philipp Haydn in New York, Juli 2008.


Leo Glückselig
Leo Glückselig ist 1914 in Wien geboren und in der Leopoldstadt aufgewachsen.
Sein Architekturstudium durfte er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten aus „rassischen“ Gründen nicht beenden. Nach dem „Anschluss“ wird Leo eines Tages in einen Wagen gezerrt und gezwungen, eine Fabrikshalle auszumalen. Im Zuge des Novemberpogroms werden Leos Vater, der Bruder Fritz, und er verhaftet, und u.a. in der Karajangasse inhaftiert. Nach deren Entlassung gelingt Fritz und Leo die Flucht in die USA, die Eltern kommen später nach. Nach Kriegsende trifft er in New York seine Wiener Jugendliebe Ita wieder, die er wenig später heiratet. Sie haben eine Tochter. Leo arbeitet als freiberuflicher Zeichner und Illustrator. Amerika sei zwar sein Zuhause geworden, „aber Heimat ist für immer und ewig dieses verdammte Österreich geblieben.“ 2003 ist er in New York verstorben.

Mehr über Leo Glückselig:
„Gottlob kein Held und Heiliger“ – Ein Wiener „Jew-Boy“ in New York. Hg. Von Daniela Ellmauer und Albert Lichtblau. Wien, 1999.

Interviewt von Albert Lichtblau und Astrid Früh in New York, Mai 1996.