NOVEMBER 1938

Start: Taborstrasse 8, Billa Supermarkt
Ende: Tempelgasse 5

„November 1938“ dokumentiert die Ereignisse rund um den 9. November. Die kurze Route durch den Zweiten Bezirk gibt Einblick in die Ereignisse der Pogromnacht.

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Karte November 1938

Route/Wegbeschreibung:
Der Guide beginnt in der Taborstraße 8 Icon Kopfhörer, vor dem Billa-Supermarkt. Von dort führt er weiter durch den Durchgang links vom Billa in die Große Mohrengasse, über die Schmelzgasse in die Zirkusgasse 22 Icon Kopfhörer, und endet in der Tempelgasse 5 Icon Kopfhörer (zwischen den beiden inneren von insgesamt vier großen weißen Säulen).

 

 

INFORMATIONEN ZU DEN BESUCHTEN ORTEN:

LEOPOLDSTÄDTER TEMPEL
Neben dem Stadttempel in der Seitenstettengasse war der Leopoldstädter Tempel der zweitgrößte Tempel Wiens. Im maurischen Stil von Ludwig Förster konzipiert, war die 1858 eingeweihte Synagoge ein Symbol für neues jüdisches Selbstbewusstsein. Seine Errichtung war durch die vermehrte Zuwanderung aus Böhmen, Mähren, Ungarn und – nach dem Zusammenbruch der Erdölförderung in den Karpaten – aus Galizien notwendig geworden. Anders als der Stadttempel, der noch hinter einer Mietsfassade versteckt werden musste, stand er als freistehendes Gebäude im Stadtbild. Nach einem Brand im Jahr 1917 wurde der Tempel langwierig restauriert und konnte erst 1921 wieder eingeweiht werden.
Die 2000 Sitzplätze umfassende Synagoge wurde in der „Kristallnacht“ zerstört, erhalten blieb nur der Nordflügel. In den neu gebauten Wohntrakt der Israelitischen Kultusgemeinde wurden 24 bzw. 28 Meter hohe mächtige Säulen nach einem Entwurf des Architekten Martin Kohlbauer einbezogen, welche die äußere Größe der einstigen Synagoge anzeigen.
An der Stelle des Leopoldstädter Tempels steht heute ein Gebäude aus den neunziger Jahren, in dem das Psychosoziale Zentrum (ESRA) der Kultusgemeinde untergebracht ist.


Quelle(n):
Erich Klein: Falter city walks. Denkwürdiges Wien. Gehen & Sehen. 3 Routen zu Mahnmalen, Gedenkstätten und Orten der Erinnerung der Ersten und Zweiten Republik. Wien, 2004.

Michaela Feurstein/Gerhard Milchram: Jüdisches Wien. Stadtspaziergänge. Wien, Köln, Weimar, 2001.

Tabor-Kino (auch: Central-Kino; UFA-Tonkino)
Am 21. Jänner 1929 fand im Central-Kino in der Taborstraße die Wiener Premiere des ersten abendfüllenden Tonfilmes statt: „Der Jazzsänger“ mit einem Rahmenprogramm, u.a. mit dem berühmten Kantor Josef Rosenblatt. „The Jazz Singer“ von Alan Crosland und mit Al Jolson in der Titelrolle, hatte am 23. Oktober 1927 seine Premiere in den USA erlebt.
In Österreich gab es zu dieser Zeit 833 Kinos, davon 177 in Wien, die 67.000 Sitzplätze boten. Das Tabor-Kino hatte damals um die 1.000 Sitzplätze.
Das Tabor-Kino wurde 1996 als letztes altes Einsaalkino geschlossen.

Mehr:
http://www.kinthetop.at/forschung/kinthetop_2_TaborkinoDetail01.html

Quelle(n):
Franz Grafl: Praterbude und Filmpalast. Wiener Kino-Lesebuch. Wien, 1993.

Walter Fritz: Kino in Österreich. 1929 – 1945. Der Tonfilm. Wien, 1991.

 

(ehemaliger) Türkischer Tempel:
In der Zirkusgasse 22 befand sich der Türkische Tempel der sephardischen Gemeinde. Sepharden werden die nach der Vertreibung im Jahr 1492 aus Spanien über ganz Europa – und vor allem in das Osmanische Reich - verstreuten Juden genannt. In Wien wurde deren Ansiedlung aufgrund eines Friedensvertrags zwischen dem Osmanischen Reich und Österreich ab dem 18. Jahrhundert gestattet.
Der Architekt Hugo von Wiedenfeld wurde 1885 mit dem Bau einer Synagoge beauftragt, die schließlich 1887 eingeweiht werden konnte. In Erinnerung an die spanische Herkunft der türkischen Juden wurde ein orientalischer Baustil gewählt und die Synagoge nach Motiven der Alhambra im maurischen Stil gestaltet. Das Gebäude war zwischen Nachbarhäusern eingebaut und zeigte nach der Gasse eine vergoldete Fassade mit reichem Schmuck. Die Synagoge bot ungefähr 300 Menschen Platz und war Mittelpunkt der Wiener sephardischen Gemeinde.
Der Tempel wurde im Novemberpogrom 1938 zerstört. Ein sephardisches Zentrum befindet sich heute in der Tempelgasse 7.

Mehr:
Die Türkische Kultusgemeinde in Österreich über den Türkischen Tempel:
http://www.turkischegemeinde.at/Aktuelles/vergangene-Veranstaltungen/Tuerkischer-Tempel-in-Wien.html

Quelle(n):
Erich Klein: Falter city walks. Denkwürdiges Wien. Gehen & Sehen. 3 Routen zu Mahnmalen, Gedenkstätten und Orten der Erinnerung der Ersten und Zweiten Republik. Wien, 2004.

Michaela Feurstein/Gerhard Milchram: Jüdisches Wien. Stadtspaziergänge. Wien, Köln, Weimar, 2001.

 

Praktische Hinweise:
Wir empfehlen die Verwendung von qualitativ hochwertigen Kopfhörern, die beide Ohren ganz umschließen. Bitte nehmen Sie sich genug Zeit für - und zwischen den - einzelnen Audio-Guides. Sie erfordern ein hohes Maß an Konzentration.
Die für das Projekt „Hörspuren" verwendeten Interviews mit ZeitzeugInnen sind unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen entstanden. Aufnahmezeit & -ort, sowie das verfügbare Equipment beeinflussen die technische Qualität dieser Tondokumente. Aufgrund der spezifischen Interviewsituation sind mitunter auch Nebengeräusche wie Klopfen, Händereiben und dergleichen zu hören.