GESCHICHTE WIEN 1938

Heldenplatz

Chronologie „Anschluss“ 1938 (bis 15. März 1938):

12. Februar:
„Berchtesgadener Abkommen“ zwischen Bundeskanzler Kurt Schuschnigg und Adolf Hitler.

15./16. Februar:
Regierungsumbildung: der Nationalsozialist Seyss-Inquart wird Innen- und Sicherheitsminister. Erlass einer Amnestie, von der eine große Zahl nationalsozialistischer, aber auch kommunistischer und sozialistischer Häftlinge betroffen ist.

18. Februar:
Die Nationalsozialisten erhalten die „Möglichkeit zu legaler Betätigung im Rahmen der Vaterländischen Front“. In den folgenden Tagen kommt es in mehreren Städten Österreichs zu Kundgebungen der Nationalsozialisten.

9. März:
Schuschnigg kündigt anlässlich einer Rede in Innsbruck an, am 13. März eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Österreichs abhalten zu wollen.

10. März:
In ganz Österreich wird für die Volksabstimmung geworben: „JA! Mit Schuschnigg für ein freies Österreich“, heißt es auf den Plakaten und Blättern, und tönt es aus Lautsprechern. Demonstrationen der Nationalsozialisten.

11. März

18.14 Uhr: Die RAVAG (Radio Verkehrs AG, der damalige Name des österreichischen Rundfunks) gibt bekannt: „Der Bundeskanzler und Frontführer hat sich nach Berichterstattung an den Herrn Bundespräsidenten entschlossen, die für den 13. März angesetzte Volksbefragung zu verschieben.“ Dr. Arthur Schuschnigg, Leiter der Musikabteilung und Bruder des Bundeskanzlers, erhält die Weisung: „Programmänderung, Übergang zu getragener Musik.“

Die Demonstranten auf dem Ballhausplatz werden immer lauter.

19 Uhr: der Rücktritt Schuschniggs wird über Rundfunk bekannt gegeben.

19.45 Uhr: SA-Männer befestigen eine Hakenkreuzfahne am Balkon am Ballhausplatz.

19.47 Uhr: Rücktrittsrede Schuschniggs via Radio


12. März:

Kurz nach Mitternacht zeigt sich Seyss-Inquart auf dem Balkon des Bundeskanzleramtes.

04.30 Uhr: im Morgengrauen landen mehrere Flugzeuge mit Himmlers engstem Stab am Flughafen Aspern.

05:30 Uhr: Beginn des Einmarsches der Deutschen Wehrmacht.

19:45 Uhr: Hitler trifft in Linz ein. Begeisterung der Massen am Rathausplatz.

14. März 1938:
Ankunft Hitlers in Wien. Am Abend hält er vom Balkon des „Hotels Imperial“ eine kurze Ansprache vor den begeisterten Massen.

15. März 1938:
Rede Adolf Hitlers am Heldenplatz


Quelle(n):
Erwin A. Schmidl: März 38. Der deutsche Einmarsch in Österreich. Wien, 1987.
Hans Petschar: Anschluss. Eine Bildchronologie, Wien 2008.

Mehr über den „Anschluss“:
Materialien des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes über den „Anschluss“: http://www.doew.at/frames.php?/service/ausstellung/1938/1938.html

„Österreichs Weg zum Anschluss“ (Wiener Zeitung):
http://www.wienerzeitung.at/linkmap/personen/miklaspopup.htm

„Sagen Sie ihm, es gibt keinen Spass...“ (Die Presse):
http://diepresse.com/home/politik/anschluss/368361/index.do?_vl_backlink=/home/politik/anschluss/index.do

 

Chronologie Novemberpogrom 1938:

7. November:
Attentat Herschel Grynszpans auf Ernst vom Rath in Paris. Bereits in der Nacht zum 8. November kommt es in Deutschland zu pogromähnlichen Aktionen gegen jüdische Geschäfte und Gotteshäuser.

9. November:
Ernst vom Rath erliegt seinen Verletzungen.

Abend: Gauleiter und SA-Führer geben ihren regionalen Dienststellen Anweisungen, mit entsprechenden Aktionen gegen jüdische Geschäfte und Synagogen loszuschlagen. In allen Teilen des „Deutschen Reiches“ werden daraufhin jüdische Bethäuser in Brand gesteckt, gesprengt, Wohnungen demoliert, die jüdische Bevölkerung gedemütigt. Tausende Juden werden von lokalen Stellen vorläufig festgenommen, manche nach Stunden und Tagen wieder entlassen.

10. November:
Obwohl die Reichspropagandaleitung die Bevölkerung auffordert, „von allen weiteren Demonstrationen und Aktionen gegen das Judentum“ abzusehen, gehen die Pogrome an vielen Orten des Deutschen Reiches unvermindert weiter. In Wien klingen die Ausschreitungen erst im Lauf des 15. November aus. Einem Bericht des SD-Unterabschnitts Wien vom 10. November zufolge „wurden viele Stimmen laut, die bedauerten, dass mit den Aktionen nicht fortgesetzt werden dürfe, denn der heutige Tag sei sie Gelegenheit, um mit dem Wiener Judenproblem radikal aufzuräumen.“ In Wien war der Pogrom nicht nur eine von oben befohlene, organisierte und gelenkte Parteiaktion, sondern zugleich auch ein von unten losbrechender privater Raubzug. Auch Teile der Bevölkerung waren aktiv an Ausschreitungen, Misshandlungen und Plünderungen beteiligt.

10. November – 22. Dezember 1938:
Nahezu 30 000 männliche Juden (davon 3.755 aus Österreich) werden verhaftet und in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt.

12. November 1938:
der jüdischen Bevölkerung wird eine „Sühneleistung“ von 1 000 000 000 Reichsmark auferlegt.


Quelle(n):
Hans-Jürgen Döscher: „Reichskristallnacht“. Die Novemberpogrome 1938. Berlin, 1988.

Thomas Albrich, Winfried R. Garscha, Martin F. Polaschek (Hrsg.): Holocaust und Kriegsverbrechen vor Gericht. Der Fall Österreich. Innsbruck, 2006.


Mehr über das Novemberpogrom:
Materialien des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes: http://www.doew.at/projekte/holocaust/shoah/1938/pogrom.html

Weitere Details über die Erfahrungen einer jüdischen Familie während des Novemberpogroms in Wien (rekonstruiert anhand von ZeitzeugInnen-Interviews, Fotos, Dokumente, etc.) finden sie auf der DVD „Das Vermächtnis“, siehe: http://www.erinnern.at/das-vermaechtnis